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Ein voller Erfolg - Tag der Astrofotografen 2007

von Peter Riepe, Fachgruppe Astrofotografie der VdS
 
Abb. 1: Die Teilnehmer vor der Westfälischen Volkssternwarte Recklinghausen. Man beachte den "Nachwuchs" und den von W.E. Celnik mitgebrachten "Canis Major"! Bild: Eberhard Schmidt.
 

Am 30. Juni 2007 veranstaltete die VdS-Fachgruppe Astrofotografie wieder einen Tag der Astrofotografen in den Räumen der Westfälischen Volkssternwarte Recklinghausen. Nachdem sich zunächst etwa 20 Astrofotografen angemeldet hatten, gab es eine schöne Überraschung, als letztlich 37 Teilnehmer erschienen.

 
Abb. 2: Pause im Gemeinschaftsraum. Bild: Eberhard Schmidt. Abb. 3: Unterhaltungen nach einem Vortrag. Bild: Eberhard Schmidt.

Die Veranstaltung war locker gehalten (Abb. 1 - 3). Es gab keine stringente Tagungsatmosphäre mit vorher festgelegtem Programmablauf, sondern ein offenes Treffen in ungezwungener Umgebung. Die Tagungsgebühren entfielen. Säfte, Wasser, Kaffee und Gebäck standen den ganzen Tag über zur Verfügung. Die Teilnehmer stammten nicht nur aus Reihen der Fachgruppe selbst. Etliche astrofotografisch Interessierte hatten die Ankündigungen in den Foren gelesen und waren der Einladung spontan gefolgt.

 
Abb. 4: SoFi vom 29. März 2006, aufgenommen in Libyen von Werner E. Celnik und Otto Guthier. Mittelformatobjektiv 1:4/350 mm + 2-facher Telekonverter, Fujichrome 100. Das Komposit besteht aus 12 Einzelbildern von 1/250 bis 8 s Belichtungszeit.  
   

Der Ablauf erfolgte an einigen fachlich orientierten Vorträgen. Die Themen boten viele neue Informationen und anschließend genügend Diskussionsstoff. So zeigte Werner E. Celnik in Einzelschritten, wie er nach der Sonnenfinsternis 2006 in der libyschen Wüste seine konventionellen Mittelformataufnahmen weiterverarbeitet hat. Kaum zu glauben, welche Feinstrukturen in der Korona herauskamen (Abb. 4). Außerdem ermöglichten die hervorragenden atmosphärischen Bedingungen am Beobachtungsort auch die Wiedergabe von Flächenstrukturen auf der unbeleuchteten Seite des Mondes. Die Korona konnte auf langbelichteten Aufnahmen bis in eine Entfernung von 40 Sonnenradien verfolgt werden, wo sie in das Zodiakallicht übergeht. Das war den meisten neu. Im Anschluss zeigte der Referent noch einige Aufnahmen vom Kometen C/2006 P1 (McNaught).

Dirk Sprungmann berichtete über seine astrofotografische Ausrüstung. Er arbeitet mit sehr guten kurzbrennweitigen Mittelformatoptiken auf konventionellem Film. Zunächst wurden die Unterschiede der verschiedenen Filmformate dargelegt, auch im Verhältnis zu CCD-Chips. Die Bildergebnisse bewiesen, dass nach dem Scannen der großen Negative in der anschließenden Bildbearbeitung eine Fülle von Details "herauszukitzeln" war. Nebenbei kam der Hinweis des Referenten, dass seine Tiefkühltruhe mit großen Mengen an bewährten Mittelformatfilmen gefüllt ist. So kann der Astro-Einsatz noch auf Jahre hinaus sichergestellt bleiben!

Bernd Gährken demonstrierte, wie er am 80-cm-Teleskop der Volkssternwarte München Uranusaufnahmen in bestechender Qualität aufnehmen konnte. Aus einer riesigen Zahl kurz belichteter Video-Frames wurden nur die besten herausgepickt und gestackt. So ließ sich ein Großteil der Wirkung atmosphärischer Turbulenzen ausschalten. Der Appell des Referenten war eindeutig: Probiert es im Infraroten, dann könnt Ihr am besten die Strukturen auf dem entfernten und nur 3 bis 4 Bogensekunden messenden Planeten nachweisen. Auch Bernd Gährken legte noch informative Ergebnisse zum Kometen McNaught nach.

 
  Abb. 5: Der chaotische Emissionsnebel NGC 6357 liegt im Skorpion. Die Aufnahme von Josch Hambsch entstand auf Farm Hakos/Namibia an einem 500-mm-Spiegel f/3. Mit einer ST-11000 plus H-Alpha-Filter wurde 10 x 15 Minuten ohne Binning belichtet.
   

In der Mittagspause versorgte uns ein Pizza-Service mit den nötigen Stärkungen. So konnte der Tagesablauf problemlos weitergehen. Josch Hambsch wartete mit einem musikuntermalten Film auf, der sich um seine CCD-Astrofotografie auf Farm Hakos in Namibia drehte. Regelrecht umwerfend waren unter anderem die Ergebnisse mit einem lichtstarken 50-cm-Teleskop bei f/3. Langbelichtete H-Alpha-Aufnahmen zeigten bekannte Objekte, jedoch in einem "neuen Licht" mit teilweise nie gesehenen Einzelheiten (Abb. 5).

Etwas theoretischer ging es her bei Andreas Rörig, der uns allen als Macher der Software Regim bekannt ist. Er stellte unterschiedliche Aspekte beim Stacken von Astrobildern vor. Mit Blick auf die Verbesserung des Signal/Rausch-Verhältnisses drehte sich alles um zwei Fragen: Was bewirkt das Addieren und die Bildung von Mittelwert oder gar Median? Wie und in welchem Umfang lassen sich damit Pixel mit "falscher" Bildinformation ohne Manipulation eliminieren, angefangen vom heißen Pixel bis hin zu Flugzeugspuren?

 
Abb. 6: Verteilung der Roten Riesen (rote Kreise) und blauen HB-Sterne (blaue Dreiecke) im Kugelsternhaufen M 5. Die Auswertung von Hans-Günter Diederich zeigt, dass im Zentrum eindeutig die Roten Riesen dominieren. Außerhalb sind beide Sternarten gleich häufig verteilt. Abb. 7: Die hellsten Sterne eines Kugelsternhaufens (hier Ausschnitt aus M 92, OES MegaTEK, RGB je 20 x 40 s, Newton 1120mm/5000mm, Harald Tomsik, Peter Riepe) sind gelborange. Etwa 2 bis 2.5 mag schwächer sind die zahlreichen blauen Horizontalaststerne. Nur ganz wenige helle Sterne sind wirklich weiß. Dies ist bei der korrekten Farbwiedergabe zu beachten. Die Pfeile zeigen auf zwei Veränderliche, die grün in Erscheinung treten.
 

Hans-Günter Diederich griff in seiner ihm eigenen Art Neues auf. Animiert durch einen Beitrag auf dem letzten Deep-Sky-Treffen hatte er Sternpopulationen von Kugelsternhaufen untersucht. Am Beispiel von M 5 konnte er mittels Farbdarstellung nachweisen, dass Rote Riesen sich mehr im Inneren konzentrieren, während sich die blauen Sterne des Horizontalastes stärker im Außenbereich häufen ("mass segregation", Abb. 6). Dabei fielen ihm einige "grüne Sterne" auf, die sich nachträglich durchweg als Veränderliche herausstellten.

Peter Riepe griff dies für M 92 auf und konnte dort ebenfalls grüne Sterne (Abb. 7), sogar einen lilafarbenen, nachweisen - sämtlich RR Lyrae-Sterne. Im weiteren Beitrag wurden dann auch die je nach Entwicklungsstadium unterschiedlichen Mitgliedsterne mit ihren physikalisch korrekten Farben vorgestellt. Unvermeidlich war dabei das Farbenhelligkeitsdiagramm! Hier spätestens wurde jedem klar, dass zahlreiche Astrofotografen bisher oftmals an den Farbreglern ihrer Bildbearbeitungsprogramme "gefummelt" hatten, nur um ihre Kugelsternhaufen fälschlich auf weiß zu trimmen! Harald Tomsik erläuterte dazu, wie die am Meller Teleskop aufgenommenen CCD-Bilder mit Hilfe von G2-Sternen kalibriert werden.

Den Abschluss bildete Frank Slotosch, der seine Ausrüstung und die damit erzielten schönen Astroaufnahmen vorstellte. Informativ waren die Interferenzfilterergebnisse von Gasnebeln, die trotz der Stadtlage mit aufgehelltem Himmel als Falschfarbenaufnahmen deutliche Strukturen aufwiesen.

Nach dem offiziellen Programm fanden sich noch einige Sternfreunde zum Ausklang in einem netten Lokal zusammen. Vorläufiger Beschluss: Der Tag der Astrofotografen soll fortgesetzt werden, spätestens in zwei Jahren. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Dr. Burkhard Steinrücken, den Leiter der Westfälischen Volkssternwarte. Er hatte uns seine Räumlichkeiten dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Peter Riepe, Lortzingstr. 5, 44789 Bochum, fg-astrofotografie@vds-astro.de
Dr. Wolfgang Strickling, Drususstr. 15, 45721 Haltern Dr.Strickling@gmx.de
 
 
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