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News vom 29.05.2000  von Doris Unbehaun

ISO sieht ein neues Sonnensystem!

In dem Wissenschaftsmagazin "Science" vom 28. April haben spanische Astronomen einen Bericht veröffentlicht, in dem sie auf einen entfernten Stern hinweisen, welcher von einem planetarischen System umgeben ist. Gewonnen wurden diese Informationen von dem inzwischen abgeschalteten "Infrared Space Observatory, ISO", welches seit 1995 seinen Dienst im Weltall versehen hat und dabei eine so gewaltige Flut an Daten zu den Wissenschaftlern auf der Erde übermittelt hat, dass diese noch auf Jahre hinaus mit der Auswertung beschäftigt sein werden.

ISO scheint hierbei einen flüchtigen aber eindrucksvollen Einblick in ein Sonnensystem bekommen zu haben, welches in seiner frühesten Entwicklungsstufe zu sein scheint. Die vorangegangenen Beobachtungen des Objektes, welches ca. 1.200 Lj von uns entfernt im Sternbild Orion steht, hatten die Astronomen bisher veranlasst zu glauben, dass der Stern selbst sich noch nicht gebildet hätte. Nun beweisen die ISO Daten gerade das Gegenteil. Der Astronom José Cernicharo brachte es auf den Punkt: "Wir sehen die frühesten Stufen der Formung eines Planetensystems. Es ist bereits das zentrale Objekt zu erkennen, welches heiss genug ist, um als Stern durchzugehen und seine umgebende protoplanetarische Scheibe aufzuheizen."

Die durch ISO gewonnenen Daten können den Wissenschaftlern, welche sich mit der Bildung von Sonnensystemen beschäftigen, wichtige Erkenntnisse vermitteln. Es gibt derzeit nur wenig Information, wann sich Planeten bilden, zum Teil deshalb, weil der lichtundurchlässige Staub um den neuen Stern es für die Astronomen fast unmöglich macht, zu sehen, was im Inneren der Staubscheibe vor sich geht.

Tatsächlich zeigen die ISO Daten, dass die Staubscheibe sich bis zu 4 AE ausdehnt (also 600 Millionen km, das ist in etwa die Distanz Sonne-Jupiter). Sie hat eine Temperatur von bis zu 225 Grad Celsius. Um diese Scheibe befindet sich ein grösserer, kälterer Kokon von Material, eine Art Placenta oder "Mutterkuchen Hülle", zusammengesetzt aus Wasser, Kohlenstoffdioxid und aus Methan. "Dies ist das erste mal, dass wir die Größe des Bereiches bestimmen können, innerhalb dessen ein normaler Stern seine Planeten bildet", sagte Cernicharo. Bisher vermuten die Astronomen lediglich, dass sich Planeten um die Sterne bilden. Beobachtungen von älteren Staubregionen um Sterne zeigen leergefegte Zonen in der Staubscheibe, die für planetarische Formung bezeichnend sind; aber keine direkten oder indirekten Beweise zeugen bisher davon, dass sich Planeten um Sterne bilden.

Vor zwei Jahren hat ISO seine Mission beendet (siehe News Nr. 28 vom 14.04.98, "Schade, die Thermoskanne ist leer!"). Das war bedeutend länger, als die Astronomen gehofft hatten. Aber als das supraflüssige Helium an Bord der Sonde zu Ende ging, konnten die empfindlichen Infrarotdetektoren nicht mehr auf den absoluten Nullpunkt heruntergekühlt werden. Die Mission musste zwangsläufig beendet werden.

Die Fülle der Datenflut reicht aber aus, um die beteiligten Astronomen noch für Jahre mit Material zu versorgen. Bereits zu Beginn diesen Jahres machten spanische Astronomen mit einer ISO Entdeckung auf sich aufmerksam: Man hatte Silikatkristalle in Staubscheiben um alte Sterne gefunden (siehe News Nr. 304 vom 25.02.00 "ISO's neue Entdeckung")!

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