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Der mysteriöse Krater "Giordano Bruno!"
29.04.2001,   Doris Unbehaun     

Im Jahr 1178 beobachteten englische Astronomen, wie sich auf dem Mond ein heller Fleck bildete, aufleuchtete wie "Feuer, oder heisse Kohle und dabei funkelte". So beschrieb der Mönch Gervase in seinen Chroniken die Ereignisse, die von fünf Beobachtern am 18. Juni des Jahres 1178 per Zufall beobachtet wurden.

Gervase berichtet in seinen Chroniken, dass er und seine Kollegen etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang an besagtem Juniabend beobachteten, wie sich das obere Horn des hellen, zunehmenden Mondes "plötzlich in zwei Teile aufteilte". Vom Zentrum dieser Teilung sprang eine lodernde Fackel auf, hell und gleissend leuchtend. Der Körper des Mondes wirkte dahinter verzerrt, seine Umrisse krümmten sich wie eine verwundete Schlange.

Lange Zeit vermutete man, dass just zu diesem Zeitpunkt ein Meteorit auf dem Mond eingeschlagen war und dieses Aufleuchten verursacht hätte. Bereits 1976 hatte ein Geologe die Theorie aufgestellt, dass bei diesem vermuteten Impakt der 22 km grosse Krater Giordano Bruno entstanden sein könnte. Sowohl Standort als auch Alter des Kraters stimmen mit dem Beobachtungen aus dem 12. Jhd. überein. Giordano Bruno gilt als der jüngste Krater seiner Grösse auf unserem Trabanten.

Der Krater "Giordano Bruno"
Quelle. http://science.nasa.gov/headlines/y2001/ast26apr_1.htm?list51093

Nun hat Paul Withers von der Universität Arizona diese Theorie unter die Lupe genommen und neu bewertet. Die neuen Analysen der alten astronomischen Berichte des Mönchs Gervase zeigen jedoch, dass es sich nicht um einen Einschlag gehandelt haben kann. Withers berichtet in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals "Meteoritics and Planetary Science" dass die Einschlagtheorie nicht zutreffen kann. Denn ein solcher Einschlag hätte einen gewaltigen Meteoritenschauer erzeugt, der auf der Erde mit Sicherheit bemerkt worden wäre. Weder auf den europäischen oder chinesischen, arabischen, japanischen oder koreanischen astronomischen Aufzeichnungen ist von vermehrter Sternschnuppentätigkeit aus dieser Zeit zu lesen.

Auf der Grundlage der Grösse des Kraters kann man auf die Grösse des verursachenden Körpers schliessen. Er muss im Durchmesser etwa 3 km grosse gewesen sein, um einen solchen Krater sprengen zu können. Würde ein solcher Meteorit auf die Erde stürzen, wäre dies vermutlich das Ende der Zivilisation. Aus diesem Grund sind die Wissenschaftler daran interessiert herauszufinden, ob sich ein solcher Einschlag tatsächlich vor weniger als 1.000 Jahren in unmittelbarer Nähe der Erde ereignet hat. Es hätte ja auch die Erde treffen können.

Der Pfeil zeigt zum Krater "Giordano Bruno"
Quelle. http://science.nasa.gov/headlines/y2001/ast26apr_1.htm?list51093

Withers berechnete nun, dass ein solcher Impakt auf dem Mond einen Meteoritenschauer erzeugt haben müsste, der dem gigantischen Leonidenschauer von 1966 ähnlich gewesen sein müsste. Damals waren in manchen Gebieten der Erde im Verlauf einer Stunde mehr als 100.000 Sternschnuppen gezählt worden. Ausserdem - so Withers - wären die Sternschnuppen sehr hell gewesen, so um Magnituden von 1 bis 2; es wäre eine spektakuläre Show gewesen und man hätte sie rund um die Welt beobachten können. "Es wäre das beste Feuerwerk in der Geschichte gewesen", so Withers.

Withers glaubt, dass die Beobachter im 12. Jhd keinen Impakt beobachtet haben, sondern einen Meteor, welcher sich per Zufall direkt vor dem Mond befand und deshalb genau in Sichtrichtung zu sehen war. Die Beobachter haben quasi am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt den Mond und somit den Meteor beobachtet. Denn nur innerhalb eines schmalen Streifens auf der Erdoberfläche konnte man diesen Meteor direkt vor dem Mond sehen. "Das würde erklären, warum nur fünf Leute dieses Ereignis beobachtet haben" und mitverfolgen konnten, wie der kleine Körper zerplatzte, aufleuchtete und auseinanderfiel.

Der "Leoniden-Sturm" des Jahres 1966
Quelle. http://science.nasa.gov/headlines/y2001/ast26apr_1.htm?list51093

"Sich vorzustellen, wie man in Canterbury in England an einem Juniabend zusammensitzt und sieht, wie der Mond erschüttert und verbogen wird, als ob er heisses, geschmolzenes Gestein auswirft", das ist vermutlich ein Ereignis, welches einen sein ganzes Leben lang nicht mehr loslässt".

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