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Venus im Radarlicht!
16.05.2001,   Doris Unbehaun     

Die durch Wolken verhüllte Oberfläche der Venus wurde in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach von Sonden (u.a. Venera, Mariner) abgelichtet und untersucht. Allerdings ist die Venusatmosphäre so dicht, daß die Oberfläche im visuellen Bereich nicht beobachtet werden kann, sondern u.a. im ultravioletten oder im Radiobereich abgetastet werden muß.

Nun hat ein Team um Donald Campbell (Cornell Universität) zwei Radioteleskope zusammengeschaltet und damit erstmalig von der Erde aus die Venusoberfläche im Radiobereich untersucht. Und da er gerade nahe an der Erde vorbeischrammte, wurde der Asteroid 2001 EC 16 gleich mit untersucht.

Verwendet wurden das im vergangenen Jahr fertiggestellte 100 m Robert C. Byrd Green Bank Teleskop in West Virginia (GBT) sowie das kürzlich modernisierte 305 m Arecibo Teleskop von Puerto Rico. Das GBT im amerikanischen Bundesstaat West Virginia ist derzeit neben dem Effelsberger Teleskop das größte voll steuerbare Radioteleskop der Welt und kann exakt auf jedes erreichbare Objekt am Himmel ausgerichtet werden. Das Arecibo Teleskop von Puerto Rico liegt fest verankert zwischen Berghängen und kann nicht frei bewegt werden.

Das 100 m Green Bank Radioteleskop in West Virginia
Quelle. Mike Bailey, NRAO/AUI

Aber dafür kann man von Arecibo aus Radioimpulse auf die Venus oder andere Objekte richten, welche man anschließend wieder einfangen kann. Dadurch können diese erdfernen Objekte abgetastet und untersucht werden.

Mit Hilfe des Arecibo hat man nun Radioimpulse auf die Venus und den kleinen Asteroiden geschickt und anschließend mit Hilfe beider Teleskope aufgefangen. Letzte Woche veröffentlichten die Astronomen nun die ersten Aufnahmen, welche von der Oberfläche der Venus und dem Asteroiden 2001 EC 16 gewonnen wurden.

Das 305 m Arecibo Radioteleskop in Puerto Rico
Quelle: http://www.naic.edu/vpublic/vcenter/vcphoto.htm

Durch das Zusammmensetzen der zurückgestrahlten Signale erhielten die Astronomen weitaus höher aufgelöste Bilder als jemals zuvor. Details sind zu erkennen, welche unter einem km Durchmesser liegen. Aber es geht den Astronomen nicht nur um Details auf der Oberfläche. Sie wollen herausfinden, ob sich auf der Oberfläche der Venus Veränderungen ereignen, wie sie z. B. durch Vulkanismus entstehen. Vergleicht man die zur Zeit gewonnenen Daten mit den alten Aufnahmen, könnte man erkennen, ob auf der Venus Oberfläche Veränderungen stattfinden, z. B. Erdrutsche oder Vulkanausbrüche, also herausfinden, ob die Venus ein noch aktiver Planet ist.

Die Radardaten offenbarten, daß der ca. 150 m große Kleinplanet 2001 EC 16, welcher mit achtfacher Mondentfernung an der Erde vorbeizog, unregelmäßig geformt ist und einmal alle 200 Stunden um seine Achse rotiert. Dies ist für einen Asteroiden eine recht langsame Rotation. Auf den Aufnahmen sind Details bis zu einer Größe von 15 m zu erkennen.

Venus-Oberflächendetails bis zu 1 km
Quelle: http://www.aoc.nrao.edu/pr/venus.jpg

Diese vielversprechenden Ergebnisse lassen hoffen, das man in nächster Zukunft mit Hilfe der Radarabtasttechnik genaue Untersuchungen naher Kleinplaneten durchführen kann und somit eine Vielzahl neuer Informationen gewinnen kann.

Die Wissenschaftler sind von den neuen Beobachtungsmöglichkeiten mehr als zufrieden und hoffen, demnächst den Saturnmond Titan untersuchen zu können.

Venus: Eine Radaraufnahme der Maxwell Montes
Quelle. http://www.aoc.nrao.edu/pr/maxwell.jpg
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