Astronomie.de
der Treffpunkt für Astronomie
 
Die 100.000 Aufnahme des Hubble Space Teleskops
21.08.2001,  Wolfgang Paech      

Schon im April 2001 wurde die Galaxie ESO 510-G13 von einem amerikanischen Astronomenteam mit dem Weltraumteleskop Hubble aufgenommen. Das Bild ist ein Farbkomposit aus drei Aufnahmen und eine der Aufnahmen ist das 100.000 Bild, das mit der Wide Field Planetary Camera 2 (WFPC2) seit 1993 aufgenommen wurde. Ein Meilenstein und wahrhaftig ein stolzer Rekord.

hier klicken für grosses Bild 
Image Credit: NASA and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Acknowledgment: C. Conselice (U. Wisconsin/STScI)

Das Bild zeigt eine ziemlich gestörte "edge-on Galaxie" im Sternbild Hydra. Die drei Farbauszüge wurden bei folgenden Wellenlängen belichtet: blau bei 450, grün bei 555 und rot bei 675nm. Die Gesamtbelichtungszeit lag bei 3Stunden und 20min. Die Galaxie steht in einer Entfernung von ca. 150 Millionen Lichtjahre und das Bild ist ca. 2.4 Bogenminuten in der Horizontalen; das entspricht etwa 105.000 Lichtjahre. Copyright by NASA und dem Hubble Heritage Team (STScI/AURA).

Galaxien kommen in allen Formen und Größen im Weltall vor. Der größte Unterschied bei den Galaxien ist tatsächlich die große Variation in ihren Gestalten. Aber Galaxien, ähnlich wie ESO 510-G13, kommen höchst selten vor, sie sind sozusagen Raritäten. ESO 510-G13 besteht aus einem großen sphärischen Kernbereich (der bulge) welcher von mehreren verbogenen, verzerrten Staubscheiben umgeben ist.

Galaxien mit Kern und Staubscheiben sind auch nicht selten im Universum; was ESO 150-G13 so aussergewöhnlich erscheinen läßt, sind die verzerrten Staubscheiben. Und diese sind wahrscheinlich das Resultat von einer Interaktion zweier Galaxien (interacting galaxies).

ESO510-G13, aufegnommen mit dem VLT. Copyright ESO

In der näheren Umgebung unserer Milchstrasse gibt es einige wenige Beispiele für interaktive Galaxien, die allerdings spektakulär aussehen. Sie sind selten, weniger als 5% aller Galaxien sind zur Zeit in starker Wechselwirkung mit einer (oder mehreren) Galaxien gleicher oder ähnlicher Masse.

Schaut man weiter in Universum hinaus, steigt die Anzahl von interaktiven Galaxie stark an, weit draussen ist fast jede zweite Galaxie gerade dabei mit einer anderen Galaxie zu verschmelzen (oder zumindest sich stark anzunähern).

Dies läßt unter anderem den Schluß zu, dass in der Frühzeit des Universums solche Kollisionen wesentlich häufiger waren als heute und dass eine Vielzahl näherer Galaxien das Ergebnis von solchen Galaxienverschmelzungen sein könnten.

ESO150-G13 ist auch deshalb aussergewöhnlich, weil mehrere Szenarien denkbar sind, die diese merkwürde Verbiegung erzeugt haben könnte. Die Form könnte durch gravitative Effekte bei einer nahen Begegnung mit einer anderen Galaxie entstanden sein. Auch denkbar ist, dass das was wir heute sehen, das Resultat einer Galaxienverschmelzung ist und die Staubscheiben der Rest der "aufgenommenen" Galaxie sind. Man spricht hier auch von Galaxienkanibalismus. Ei solcher Prozess dauert bestimmt Millionen von Jahren.

Kleinere verzerrte Staubscheiben sind nicht so selten wie man glauben könnte. Viele Galaxien zeigen sie - speziell dann, wenn wir direkt auf die Kante schauen. Unser große Nachbar, der Andromedanebel, zeigt ebenfalls Verzerrungen in den Staubscheiben, vielleicht ein Resultat von gravitativen Kräften zwischen unserer Milchstrasse und dem Andromedanebel.

Die Farben in der Hubble Aufnahme zeigen verschiedene Sternpopulationen. Der mehr oder weniger weiße Kernbereich wird beherrscht von vorwiegend alten, roten Sterne, die schon fast 10 Milliarden Jahre existieren. Die Sterne in der Staubscheibe sind heiß und blau und sicher erst einige 100 Millionen Jahre alt. In einigen Bereichen - speziell rechts und links der zentralen Scheibe - sieht man gehäuft Haufen von blauen Sternen. Sicher hat es während der nahen Begegnung oder des Verschmelzens mehrere Zeiten heftiger Sternenstehung gegeben.

Ähnliche Beispiele solcher galaktischen "Katastrophen" sind z.B. die sogenannten Antennen Galaxien (NGC 4038/39) im Sternbild Rabe oder Centaurus A (NGC 5128).

Quelle besuchen: Klicken Sie hier, um diese Seite zu besuchen!
 
[Hauptseite] [Kontakt] [Copyright] [Alte News]